Lokschuppen IV

Unser Vereinsdomizil, der heutige Lokschuppen IV, wurde ab 1895 als Lokschuppen 6 errichtet und besaß zunächst neun Stände (heute Stand 9- 17). Als Baumaterial kamen gelbe Backsteine zum Einsatz; integrierte Zierstreifen wurden mit roten Steinen versetzt. Für das Tragewerk des flach geneigten Pappteerdaches verwendete man eine Holzfachwerkkonstruktion.

Neue und größere Lokomotiven erforderten bald eine Schuppenerweiterung. Im Jahr 1908 kamen acht Stände (heute Stand 1- 8) mit längeren Gleisen und Arbeitsgruben hinzu. Die Portale der neuen Stände wichen allerdings von der Backsteinbauweise ab. Sie sind aus genieteten Stahlträgern gefertigt. Hingegen ist die Schuppenummantelung wieder aus gelben Backsteinen. Die eingebauten Halbrundfenster sind teilweise mit roten Steinen abgesetzt. Das Dach wird traditionell mit Holzfachwerk gestützt. Des Weiteren kam es zum Einbau einer zentralen Rauchabführungsanlage, deutlich erkennbar durch zwei hohe Schornsteine.

Die längeren Schuppengleise ermöglichten die Aufnahme großer preußischer Lokomotiven, z. B. der Baureihe P10 (DR- Baureihe 39). Mit einem Achsstand von 19,30m konnten diese allerdings nicht auf der 16m- Drehscheibe wenden. Hinzu kam, dass nach der Bildung der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft (DRG) im Jahr 1924 und dem von ihr verfügten Programm zum Bau von Einheitslokomotiven, Halle mehr und mehr eine Einsatzstelle schwerer Schnellzugdampfloks wurde. Aus diesem Grund wurde 1929 eine 23m- Drehscheibe eingebaut. Dabei handelt es sich um keine so genannte Einheitsdrehscheibe, sondern um deren genietete Vorläuferin.

Im Jahre 1930 erfolgte auf Grund von Umstrukturierungen eine Umbenennung der Lokschuppen; aus dem ehemaligen Schuppen 6 wurde nun Schuppen IV. Stets war der Lokschuppen IV eine Beheimatungsstätte berühmter Dampflokomotiven. Neben den Baureihen 01, 03 und 39 waren hier ab Ende der 30er Jahre auch Stromlinienlokomotiven der Baureihe 01. 10 stationiert. Nach 1945 konnten unter anderem die Loks 03 1010, 03 1074, 18 201, 18 314, 19 015, 22 001, 23 001 und 78 425 der VES-M Halle beobachtet werden.

Anfang der 60er Jahre begann im Bw Halle- P die Ablösung der Dampf- durch die Dieseltraktion; im Lokschuppen IV wurden nun Diesellokomotiven gewartet und abgestellt. In diesem Zusammenhang erfolgten einige Umbauten im Lokschuppen. Im Bereich von Stand 17 wurde eine Aufbereitungsanlage für Kesselspeisewasser für die Heizkessel der Diesellokomotiven errichtet, und auf Stand 14 wurde ein Öllager eingerichtet. Die TA- Werkstatt (Technische Anlagen) erhielt im Schuppen IV ein neues Domizil und wurde im Bereich der Stände 1- 3 eingerichtet. Dabei blieb Stand 1 als Schuppengleis mit neu eingebauter Kranbahn erhalten.

Ab Juli 1990 beheimatete man alle Dieseltriebfahrzeuge des Bw Halle P zum Bw Halle G um. Der Lokschuppen IV wurde nun nicht mehr für die Wartung, Reparatur und Abstellung von Betriebslokomotiven benötigt. Es bot sich an, alle im Standort Halle als Museumslokomotiven deklarierten Fahrzeuge im Lokschuppen IV zu konzentrieren. Nachdem im Jahr 1991 eine Dampf- Schneeschleuder und im Jahr 1992 die Schnellzuglokomotive E18 19 verkauft wurden, standen ab 1992/1993 folgende Fahrzeuge im Schuppen IV: 18 201 und Reserve- Öltender, 03 1010, 52 9900, E18 31, E11 001, E44 108, E95 02 und ein Mannschaftswagen.

Im Frühjahr 1994 belebte die neu gegründete Freizeitgruppe „Traditionsgemeinschaft Bw Halle P“ den Lokschuppen IV als ihr Vereinsdomizil.

Im Juli 2003 wurde unser Lokschuppen als Standort Halle des DB Museum Nürnberg eröffnet. In Vorbereitung des Ereignisses wurde unter anderem das Schuppendach saniert; die sanitären Einrichtungen incl. Besuchertoiletten wurden modernisiert. In der Folgezeit gab es noch einige bauliche Veränderungen. So wurde zum Beispiel das Öllager auf Stand 14 abgebaut, der Gleisstrang freigelegt und ein Rolltor eingebaut, so dass nun ein weiteres Strahlengleis zur Lokabstellung genutzt werden kann. Die Gleise 15 und 16 erhielten Abdeckungen, so dass incl. Gleis 17 eine größere Freifläche für Veranstaltungen (Sitzplätze, Catering usw.) zur Verfügung steht.